Getagged: Wolfgang Herrndorf

Lieblingsgäste (35): Janine Wolf

Janine_WolfIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 35. Teil stellt Janine Wolf ihre Favoriten vor – eine junge, lebenshungrige Mischung, die Nicole Krauss und das Pop-Duo Boy vereint und Hymnen schmettert auf Benedict Wells und Wir sind Helden. Janine, die sich Jane nennt, betreibt als Bloggerin „Eine Apotheke gegen den Ernst“. Ihr eigener Roman soll „Ode an glitzernde Klackerschuhe“ heißen und mit den Worten beginnen: „Es sind nur sehr wenige Kinder hier. Die meisten Kinder in diesem Raum sind schon erwachsen.“ Sich selbst bezeichnet Jane als „Kämpferin für Authentizität und Schrulligkeit.“ Ihr Motto: „Embrace the beautiful mess that you are!“ Weiterlesen

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Die beliebtesten Lieblingssätze 2014

Die Lieblingssätze des Jahres stehen fest. Zur Wahl standen die fünfzehn beliebtesten RomananfängeSongzeilen und Fundstücke, die es 2014 ins Museum der schönen Sätze geschafft haben. Bis zum 9. Januar 2015 haben knapp 200 Leser abgestimmt. Überraschung (oder auch nicht): Wolfgang Herrndorfs letzter erster Satz hat mit Abstand gewonnen. Herzlichen Glückwunsch. In memoriam Schreibgenie.   Weiterlesen

Kraftvoll bis zum Sch(l)uss

„Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert.“

Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe. Rowohlt, 2014.

Es ist dies sein letzter erster Satz. Ein gehaltvoller, die Dinge zurechtrückender erster Satz. Sein letzter, wie gesagt: Wolfgang Herrndorf hat sich 2013 in Berlin das Leben genommen, genauer: Er hat seinen Hirntumor abgeknallt, der ihm das Leben nehmen wollte. „Bilder deiner großen Liebe“ hat er nicht vollenden können, die Spin-Off-Geschichte zu seinem Bestseller Tschick bleibt für immer ein unvollendeter Roman. Einer, der von Isa handelt, jenem verrückten und ganz und gar nicht bescheuerten Mädchen, das bereits in „Tschick“ einen denkwürdigen Auftritt hatte und sich hier auf eine intensive Wanderschaft durch die Natur und die Welt wundersamer Menschen macht. Der Roman mag unvollendet sein, hier und da in sich widersprüchlich, doch ist er weit mehr als ein Fragment oder ein „kaputtes“ Werk, wie im Anhang notiert ist. Herrndorfs Sprachkraft, seine wütende Poesie, sein Gespür für raue Randfiguren und deren Lebenssound dürfen noch einmal hitzig aufflackern. Dann der finale Schuss. Sein letztes letztes Wort: „Waffe“.

Lieblingsgäste (6): Murmel Clausen

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im sechsten Teil stellt uns Murmel Clausen seine persönlichen Inspirationsquellen vor. Der Münchner Autor („Frettsack“, „Frettnapf“) und Drehbuchautor („Der Schuh des Manitu“) hat kürzlich das Museum der schönen Sätze entdeckt – und sich prompt als Lieblingsgast empfohlen. Unter anderen hievt er die Wortkünstler Italo Svevo, Wilco und T.C. Boyle ins Rampenlicht. Danke dafür und herzlich willkommen, Murmel!

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Herrlicher Herrndorf

„Als erstes ist da der Geruch von Blut und Kaffee.“

Wolfgang Herrndorf: Tschick (2010). Rowohlt, 2012.

Als erstes ist da dieser Satz. Wabert dir ins Hirn wie ein Duftgemisch, dem sich keiner entziehen kann. Natürlich will man wissen, wie es zu dieser kuriosen Kombination der Flüssigkeiten kam, wessen Körpersaft zu riechen beginnt, und wer da in diesem saloppen Ton drauflosplappert, als wäre seine Geschichte die interessanteste der Welt.

Nun macht ja bekanntlich der Ton den Roman. Eine einzigartige und allzeit authentische Stimme zu finden, ist eine der schwierigsten Hürden, die ein Schriftsteller überwinden muss, ehe er die Helden seiner Fantasie auf Reisen schickt. So gesehen ist Wolfgang Herrndorf ein Meister des Tons. Ein Tonmeister. Die Art und Weise, wie der Wahlberliner die  Abenteuer von „Tschick“ und seinem Freund Maik Klingenberg erzählt, ist einer der Hauptgründe für die sagenhafte Beliebtheit dieser großen Fahrt ins Leben. Der Bestseller, der es verdient hat einer zu sein, ist ein zeitloses Buch über das Erwachsenwerden, über die deutsche Provinz, über das Ausloten von Traum und Wirklichkeit. Reif ersonnen, frisch erzählt. Herrndorf, Jahrgang 1965, biedert sich nicht an, er wird zum besten Kumpel von der Hassliebe namens Jugend. Schonungslos wie Blut, aufbauend wie Kaffee.