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Erste Sätze über erste Sätze

„Ich weiß, gerade auf den ersten Seiten, ja, mit den ersten Absätzen, eigentlich schon mit dem ersten Satz einer solchen ,klassischen‘ Erzählung erwartet der Leser zu Recht ganz besonders niveauvolle Literatur, gelungene Formulierungen, einen unvergesslichen Einstieg in den feinen, nicht gerade billigen ,sprachlichen Gourmet-Happen‘, wie Kritiker so was manchmal nennen.“

Joachim Lottmann: Hotel Sylvia. Haffmanns & Tolkemitt, 2016.

Der Lottmann nun wieder. Der turtelt ja gern mit den Erzählformen, schreibt hin, was ihm gerade durch den Kopf mäandert, egal, was knurrende Romantheoretiker und Textdiktatoren so von sich geben. Auf diese Weise hat der munter gereifte Popliteraturpionier bereits herrlich absurde, unkonventionell schöne Einstiege vorgelegt. In seiner Novelle „Hotel Sylvia“, einer für seine Verhältnisse doch recht aufgeräumten Erzählung, manche sagen: Alterswerk, wählt er einen ganz besonderen Kniff: Die hohen Erwartungen an einen ersten Satz wortästhetisch zu thematisieren, ergibt womöglich selbst einen brauchbaren ersten Satz, so der Grundgedanke. Weiterlesen

Lieblingsbücher 2015

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2015 gelesen habe. Einige davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

15books

1. Vea Kaiser: Makarionissi
2. Heinrich Steinfest: Das grüne Rollo
3. Robert Seethaler: Jetzt wirds ernst
4. Robert Seethaler: Die weiteren Aussichten
5. Robert Seethaler: Die Biene und der Kurt
6. Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich
7. Irvine Welsh: Das Sexleben siamesischer Zwillinge
8. Joachim Lottmann: Happy End
9. Daniel Glattauer: Geschenkt
10. Einzlkind: Billy

  • Klassiker des Jahres: Truman Capote: Frühstück bei Tiffany
  • Sachbuch des Jahres: Michael Althen: Liebling, ich bin im Kino!

Thees’ Dorf-These

„Du kriegst die Leute aus dem Dorf, das Dorf nicht aus den Leuten.“

Thees Uhlmann: „LAT- 53.7 LON- 9.11667“ (2:12), auf: Thees Uhlmann, 2011.

Schon wieder Thees. Für die einen ist er der näselnde Minnesänger 2.0. Für die anderen (dazu zählt sich der Autor) ist der Musiker, Songwriter, Produzent, Label-Betreiber und Ex-Backliner der liebenswerteste Lyriker, den die Hamburger Schule je hervorgebracht hat. Egal ob in seiner Band Tomte oder nun auf seiner ersten Soloplatte – Uhlmann formuliert offenherzig und ohne Scham Sätze, gerne Metaphern, die an die emotionale Intelligenz appellieren. Wenn Tocotronic das Hirn der Bewegung waren, dann ist Thees das Herz. Nur eine These.

Thees‘ Lachs-These

„Das Leben ist hart, aber das nehm‘ ich in Kauf, zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf.“

Thees Uhlmann: „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ (0:30), auf: Thees Uhlmann, 2011.

Für die einen ist Thees Uhlmann, Jahrgang 1974, der näselnde Minnesänger 2.0. Für die anderen (dazu zählt sich der Autor) ist der Musiker, Songwriter, Produzent, Label-Betreiber und Ex-Backliner der liebenswerteste Lyriker, den die Hamburger Schule je hervorgebracht hat. Egal ob in seiner Band Tomte oder nun auf seiner ersten Soloplatte – Uhlmann formuliert offenherzig und ohne Scham Sätze, gerne Metaphern, die an die emotionale Intelligenz appellieren. Wenn Tocotronic das Hirn der Bewegung waren, dann ist Thees das Herz. Nur eine These.