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Lieblingsgäste (28): Susanne Ulrike Maria Albrecht

S_U_M_AIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 28. Teil stellt Susanne Ulrike Maria Albrecht ihre Favoriten vor – eine lyrische, unzeitgeistige Mischung, die Friedrich von Schiller, Waldemar Bonsels und Falco vereint. Die Autorin aus Rheinland-Pfalz ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden, beim Internationalen Wettbewerb „Märchen heute 2013“ belegte sie den dritten Platz. Kürzlich ist ihr Thriller „Chaoten, Mörder, Luder“ erschienen.

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Schillernde Verirrungen

„In der ganzen Geschichte des Menschen ist kein Kapitel unterrichtender für Herz und Geist als die Annalen seiner Verirrungen.“

Friedrich Schiller: Der Verbrecher aus verlorener Ehre (1786). Reclam, 1989.

Konflikt ist der Stoff, aus dem gute Geschichten sind. Das weiß jeder, der liest und jeder, der schreibt. Friedrich Schiller, der mit seiner berühmten Eröffnung Krimis und Schurkenstücken die Existenzberechtigung erteilt, wusste das selbstverständlich auch. Wenngleich man sich fragt, ob der blitzgescheite Dichter und Philosoph (1759 bis 1805), diese Supernova der Weimarer Klassik, sich selbst zu menschlichen Verirrungen hat hinreißen lassen? Es heißt, der Teeny-Schiller soll heimlich Tabak geschnupft und mit seinen Kumpels verbotene Schriften gelesen haben. Und dem Twen-Schiller wird nachgesagt, er soll sich aus der Karlsschule, wo er zunächst Recht, dann Medizin studierte, davongestohlen haben, ohne eine Urlaubsgenehmigung beantragt zu haben. Schiller wurde in Arrest gesteckt, später wurde dem jungen Dichter Festungshaft in Stuttgart angedroht. Es gab also durchaus Konflikte im Leben des Goethe-Freundes, zumal das Verhältnis der beiden Genies zunächst von Konkurrenz und Missgunst geprägt war.

„Der Verbrecher aus verlorenen Ehre“ ist eines der wenigen Erzählprosa-Stücken von Schiller, der sich mehr Ruhm als Dramatiker und Lyriker erschrieben hat. Ein Kriminalbericht auf wenigen Seiten, der auf einer wahren Geschichte beruhen soll. Eröffnet von einem schillernden Gedanken.