Getagged: Nick Hornby

Hokuspokus Lokus

„Es ist das beste Plumpsklo in ganz Dakota.“
Tom Robbins: Sissy – Schicksalsjahre einer Tramperin. Rowohlt, 1981.

„Sie waren von England nach Minneapolis geflogen, um sich ein Klo anzuschauen.“
Nick Hornby: Juliet, Naked. Kiepenhauer & Witsch, 2009.

„Es fing an wie üblich, auf der Damentoilette des Lassimo-Hotels.“
Jennifer Egan: Der größere Teil der Welt. Fischer Taschenbuch, 2013.

Worin liegt nochmal der Reiz, eine große Geschichte an einem kleinen Ort zu beginnen? Einem stillen Örtchen, wie man sagt, das aber in aller Regel gar nicht so still ist? In WC-Stein gemeißelt scheint die Feststellung, dass erste Sätze mit Klo-Bezug häufiger den Weg vorbei an Chef-Lektoren und Schlussredaktionen in publizierte Bücher finden, als es blitzblanke Toiletten in Verlagshäusern gibt. Ob die Rechnung aufgeht, also 00 statt 0815? In obigen Beispielen sehr wohl. Diese Intros sind schön geformte Schlüssellöcher für die Voyeure in der Leserschaft. In der Hoffnung auf intime Einblicke in sprudelnde Figurenwelten, in die wir alsbald hineingespült werden, nähern wir uns Wort für Wort dem unbedingten Geschichtensog. Griff ins Klo? Keineswegs. Eher Hokuspokus Lokus.

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Die beliebtesten Lieblingssätze 2015

Hurra und Tusch, die Lieblingssätze des Jahres stehen fest. Die Liste der beliebtesten Romananfänge und Songzeilen, die 2015 im Museum der schönen Sätze aufgenommen und dokumentiert wurden, ist eine zeitgenössische deutsch-britische Mischung. Die Platzierung ergibt sich aus den Bewertungen in den Social-Media-Kanälen und im Blog. Die besten (Internet-)Fundstücke sind extra notiert. Vielen Dank an dieser Stelle für das motivierende Feedback und den regen Austausch der Museumsbesucher, Facebook-Fans und Twitter-Follower. Auf ein neues Jahr voller inspirierender Wörterminiaturen!
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Mister Blackpool

“Sie wollte keine Schönheitskönigin sein, aber wie das Leben so spielt, war sie gerade dabei, eine zu werden.“

Nick Hornby: Miss Blackpool. KiWi, 2014.

Nick Hornby schafft es immer wieder. Er gehört zur seltenen Gruppe der Autoren, deren Kraft der ersten Sätze nach etlichen Jahren nicht nachlässt. Und was hat der Kultautor bereits für starke Zeilen vorgelegt! Auch der Auftakt seines jüngsten Romans ist eine wahre Schönheitskönigin, und im Unterschied zur Protagonistin, einer jungen Frau mit großen Träumen, dürfte Hornby, ihr Schöpfer, kein Problem damit haben, auf Schönheit reduziert zu werden. Auf sprachliche Schönheit, versteht sich.

Barbara, so heißt die Beinahe-Beauty-Queen aus Blackpool, will unbedingt Karriere im Fernsehen machen. Sie möchte lustig sein und die Sitcoms im England der Sechzigerjahre aufmischen. Das gelingt ihr auch recht gut, wenngleich Hornby witziger ist, als es Barbara je zeigen darf. Und auch wenn er es hier und da etwas übertreibt mit den Perspektivenwechseln, dem Figurenwirrwarr und der drehbuchartigen Dialoginflation, so mag man dem Briten dennoch eine weitere Krone aufsetzen, oder zumindest ein Krönchen. Mister Blackpool, der Schönheitskönig, der auch lustig kann.

Nick, nackt

„Sie waren von England nach Minneapolis geflogen, um sich ein Klo anzuschauen.“

Nick Hornby: Juliet, Naked (2009). Kiepenhauer & Witsch, 2009.

Nick Hornby, Jahrgang 1957, schreibt über Fußball, Pop und Frauen. Also über die wichtigsten männlichen Lebensinhalte. Kerle lesen zwar in der Regel keine Romane, aber Hornbys Taktik geht trotzdem auf. Mit seinem Debüt „Fever Pitch“ hat er das Ballfieber-Buch schlechthin vorgelegt (mehr dazu hier, hatten wir schon mal). Auch der erste Satz bei einem seiner jüngsten Werke ist Champions League. Er strotzt vor dem, worauf der populäre Brite sein gesamtes Werk begründet: Leidenschaft – egal ob für Fußball, Frauen, Familie oder Musik. Vorwerfen kann man Hornby höchstens eines: Er setzt auf den falschen Verein. Aber man kann nicht alles haben.

Nicks Kick

„Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“

Nick Hornby: Fever Pitch – die Geschichte eines Fans (1992). KiWi, 2000.

Nick Hornby, Jahrgang 1957, schreibt über Fußball, Pop und Frauen. Also über die wichtigsten männlichen Lebensinhalte. Kerle lesen zwar in der Regel keine Romane, aber Hornbys Taktik geht trotzdem auf. Mit seinem Debüt „Fever Pitch“ hat er nicht nur das Ballfieber-Buch schlechthin vorgelegt (schenkt es bloß nicht euren Freundinnen, Jungs, sie werden euch die Rote Karte zeigen). Auch der erste Satz ist Champions League. Er strotzt vor dem, worauf der populäre Brite sein gesamtes Werk begründet: Leidenschaft – egal ob für Fußball, Frauen, Familie oder Musik. Vorwerfen kann man Hornby höchstens eines: Er setzt auf den falschen Verein. Aber man kann nicht alles haben.