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Lieblingsbücher 2015

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2015 gelesen habe. Einige davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

15books

1. Vea Kaiser: Makarionissi
2. Heinrich Steinfest: Das grüne Rollo
3. Robert Seethaler: Jetzt wirds ernst
4. Robert Seethaler: Die weiteren Aussichten
5. Robert Seethaler: Die Biene und der Kurt
6. Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich
7. Irvine Welsh: Das Sexleben siamesischer Zwillinge
8. Joachim Lottmann: Happy End
9. Daniel Glattauer: Geschenkt
10. Einzlkind: Billy

  • Klassiker des Jahres: Truman Capote: Frühstück bei Tiffany
  • Sachbuch des Jahres: Michael Althen: Liebling, ich bin im Kino!
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Gretchenfrage

„Als Gretchen Morgenthau aufwachte, fiel ihr der Himmel auf den Kopf und es fehlte nicht viel, da wäre Gott gleich mitgefallen.“

Einzlkind: Gretchen. Verlag Klaus Bittermann, 2013.

Ein Killersatz. Schon wieder. Wie schon bei Harold, dem Debüt der Pseudonym-Edelfeder mit dem Rechtschreibfehler im Namen, liest man weiter. Todsicher. Es gibt ohnehin viele Parallelen zwischen den beiden Romanperlen. Erneut lässt Einzlkind einen alten (die fiktive und überaus exquisite Theaterlegende Gretchen Morgenthau) auf einen jungen Protagonisten (den liebeshungrigen und einfach gestrickten Insel-Teenager Kyell) treffen, die sich gegenseitig inspirieren. Wieder ist die Thementüte des Schriftstellers gefüllt mit den Sujets England, Reisen, Streben und Sterben. Das Beste aber ist: Wieder lässt er den sprachverliebten Leser staunen über geniale Sätze und blitzgescheite Gedanken.

Der Autor, über den man noch immer nicht viel weiß (außer, dass er lebt und sein Vorname vielleicht betamax ist), erzählt auch seine zweite schrullige Lebenskomödie mit so viel Sprachgefühl und Situationskomik, dass es eine wahre Freude ist. Ein Killersatz jagt den anderen. Aber das hatten wir bereits.

Die Gretchenfrage bleibt: Wer ist dieses Genie?

Selbstmordsgaudi

„Harold glaubte, nach Mutters Tod erbe er die Villa und erhänge sich zweimal die Woche in der Vorhalle.“

Einzlkind: Harold. Heyne, 2011.

Ein Killersatz. Hier liest man weiter. Todsicher. Natürlich möchte man wissen, wie das denn bitte gehen soll, sich zweimal pro Woche in der Vorhalle zu erhängen? Und warum überhaupt? Taucht man erst einmal ein in die herrlich skurrile Welt des 49-jährigen Londoners namens Harold, begreift man, dass der Selbstmord zwar eine Art Hobby des Protagonisten darstellt, eines jedoch, das er nicht perfekt beherrscht. Wie so vieles im Leben des gekündigten Wurstfachverkäufers. Und dann kommt Melvin. Ein Elfjähriger, der sich selbst als Savant bezeichnet („Falls Sie nachschlagen müssen: ein Genie“). Der hyperaktive Schlaubischlumpf reißt den passiven Harold mit in ein Abenteuer, das durch England und Irland führt, denn Melvin sucht seinen Vater. Also verschiebt Harold seine Pläne in der Vorhalle und begleitet ihn. Wie sollte er sich auch widersetzen können?

Der Autor, über den man nicht viel weiß (außer, dass er sich vor ein paar Jahren eine neue Kaffeemaschine gekauft hat), erzählt seine schrullige Buddy-Komödie mit so viel Sprachfreude und Situationskomik, dass es eine wahre Freude ist. Er nennt sich Einzlkind und soll in England leben. Oder in Deutschland. Fest steht, er reiht einen Killersatz an den anderen.