Ohnemusenküsse

„Wir saßen draußen auf den Feldern in der Sonne wie zwei Spatzen oben auf einer Telefonleitung, durch die nur angenehme Gespräche laufen.“

Günter Ohnemus: „Oh, But California“ in „Die letzten großen Ferien“. Maro, 1993

Die Spatzen sollten es längst von den Telefonleitungen pfeifen: Bei der hübschen Indiebookchallenge geht es darum, in jeder Woche des Jahres ein Buch aus einem unabhängigen Verlag zu lesen. Als ich gefragt wurde, die Patenschaft für eine Woche zu übernehmen, zögerte ich keine Sekunde, schlichtweg, weil ich ein großes Herz für die Kleinen habe. Mein Motto für die Woche von 4. August 2018 an lautet: „Lies ein Buch mit einer Illustration auf dem Umschlag.“ Et voilà, meine Empfehlung ist die Kurzgeschichtensammlung „Die letzten großen Ferien“ (Maro, 1993) von Günter Ohnemus.

Warum? Erstens, weil Rotraut Susanne Berner den Umschlag gestaltet hat, die ich für eine der besten ihres Fachs halte (und über deren Illustration meines Debütromans ich mich noch heute freue). Zweitens, weil Ohnemus ein Großer der kleinen Prosa ist und damit schon per se wunderbar zum Geist der Kleinverlage passt. Zumal es hier spielend gelingen mag, einzelne schöne Sätze aus den Miniaturen zu pflücken, worum es auf Lieblingssaetze.de ja seit jeher gehen soll. Weitere Beispiele gefällig?

Richtige Wörter haben eine Körpertemperatur von ungefähr 37 Grad.

Ich hab die Sonne schon mit beiden Armen in den Himmel gestemmt und mir die Finger verbrannt.

Und drittens, weil gerade große Ferien sind, da passt der Titel und die sommerpoetischen Geschichten des bayerischen Schriftstellers und Übersetzers wie die Sonne zu Kalifornien. Und wie die angenehmen Gespräche in der Telefonleitung ist auch dieses Buch beseelt von wortstarken Gefühlen.

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