„À la minute, motherfucker“

„Im südlichen Niedersachsen liegt ein Wald, der Deister, darin stand ein Haus aus Sandstein, in dem früher der Förster gewohnt hatte und das durch eine Reihe von Zufällen und den Kredit einer Bank in den Besitz eines Ehepaares kam, das dort einzog, damit die Frau in Ruhe sterben konnte.“

Takis Würger: Der Club. Kein & Aber, 2017.

Spoiler-Alarm (1): Die Frau aus dem ersten Satz stirbt. Bald. Ob in Ruhe, das bleibt unklar, darf aber bezweifelt werden. Für Ruhe ist in Takis Würgers Debütroman kein Platz. Der Spiegel-Redakteur, Jahrgang 1985, erzählt dicht und schnell, dennoch mit Tiefe und Freude an Details und Sprachvariationen. Im Zentrum seiner multiperspektivischen Coming-of-Age’n’Crime-Story steht Hans. Der mutterlos (siehe erster Satz, siehe Frau) und ängstlich aufwachsende Außenseiter wird früh mit einer geheimnisvollen Mission konfrontiert: Der junge Mann, ein talentierter Boxer, soll spezielle Vorfälle in einem College-Club in Cambridge aufdecken. Seine Tante schleust ihn in die englischen Elite-Kreise ein, eine junge Studentin weist ihm den Weg. Der Weg ist steinig und dekadent, blutverschmiert und champagnergetränkt. Die Themen, darunter Rache und Machtgefälle, sind erschreckend aktuell, sie machen den Roman zum Buch der Stunde. Und wie der erste Satz schon erahnen lässt: Hier geht es, abgesehen von ein paar feinen Ablenkungsmanövern, gleich zur Sache. „À la minute, motherfucker“, wie Hans‘ Mitstudent Josh sagt. Spoiler-Alarm (2): Die Frau aus dem ersten Satz ist nicht die einzige Person, die stirbt. In Ruhe sowieso nicht.

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