Schwärmen übers Schwätzen

„Da wurde einer umgebracht, was an sich schon blöd genug ist.“

Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten. KiWi, 2014.

Verena Roßbacher hat ihr zweites Buch veröffentlicht, und erneut mischt die junge Österreicherin die Spickzettel mit den Regeln des Romanschreibens so wild durcheinander, dass die darauf notierten Gedankenstützen ins Taumeln geraten, sich aufeinander übergeben, infolgedessen auf den Papieren nichts mehr zu entziffern ist, weshalb sich die Autorin aufs Improvisieren verlassen muss. Das Ergebnis ist ein experimentelles Wortfest auf 631 Seiten, zerstückelt in 139 (!) Kapitel, an dem auch die Schriftstellerin und ihr Lektor Olaf teilnehmen, indem sie sich regelmäßig in die Handlung hineinschieben und über die Begehrlichkeiten des „lieben Lesers“ streiten.

Roßbachers Freude am Abschweifen führt zu skurril-humorvollen Situationen, intensiven Dialogen, aromatischen Sätzen („Wenn der Bär kommt, grab dir ein Loch, leg dich hinein und stinke“, „Konjunktiv ist die schönere Welt“) und als vermisst gemeldeten Wörtern. Ein sattes Werk mit edlem Geschwätz, das nur meistert, wer ganz viel Geduld mitbringt und sich an der Schönheit der Sprache berauschen kann. Es geht übrigens um drei junge Männer in Berlin und irgendeinen Mord. Aber das tut hier nichts zur Sache. Hier regiert das Wie und nicht das Was. Chronische Kreativitätsschübe Hilfsausdruck. Wundern braucht man sich ob gewisser Parallelen indes nicht, dass mir die Autorin nach ihrer Lesung in München folgende Zeile in mein Exemplar hineingeschrieben hat: „Von einem Wolf Haas Fan zum anderen!“

Rossbacher

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