Ruck and Roll

„Seit er einmal, fast ein Jahr lang, mit der Vorstellung gelebt hatte, die Sprache verloren zu haben, war für den Schriftsteller ein jeder Satz, den er aufschrieb und bei dem er noch dazu den Ruck der möglichen Fortsetzung spürte, ein Ereignis geworden.“

Peter Handke: Nachmittag eines Schriftstellers. Suhrkamp, 1989.

Ein Ruck muss durch die Geschichte gehen. Jeder Schreibende kennt diese kaum stillbare Sehnsucht nach dem Schub nach vorn, dem nächsten Wort, der nächsten Zeile, und so ein Ruck, wie Handke ihn benennt, ist wie ein aufgemotzter Formel-1-Motor. Kein Hau-Ruck, das ist was für Stümper und Freunde der literarischen Brechstange, sondern ein sanfter, magischer Richtungsruck, der die Erzählung wie von selbst ins Rollen bringt. Ruck and Roll. Den „Ruck der möglichen Fortsetzung“ zu thematisieren, noch dazu im ersten Satz, ist ein Ereignis für sich. Ein Ereignis, das den Österreicher, Jahrgang 1942, direkt ins Museum der schönen Sätze katapultiert. Ruck zuck.

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