Lolitas Reiz

„Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden.“

Vladimir Nabokov: Lolita (1955). Rowohl 1999.

Lo-li-ta. Da schnalzt die Zunge. Nicht nur die des lustfreudigen Literaturwissenschaftlers Humbert Humbert, den uns Vladimir Nabokov (1899 bis 1977) in seinem bekanntesten Roman als zweifelhaften, weil hebephilen Ich-Erzähler präsentiert. Auch der Leser freut sich über so einen li-la-lupenreinen Meisterbeginn. Ohne Verben kommt sie aus, diese feurige Eröffnung, die so vieles verspricht und wenig vermissen lässt. Klangmalerei, Alliteration, Rhythmik – Nabokov zieht alle Stilregister, und ähnlich macht er weiter: „Meine Sünde, meine Seele.“ Eine Anleitung zum Nachsprechen folgt sogleich: „Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne.“ Dritter Satz: erstklassig!

Der Roman um die sexuelle Beziehung von Humert Humbert zu der zwölfjährigen Dolores, die er Lo oder Lolita nennt, war selbstverständlich umstritten. Der Romananfang ist unumstritten. Unumstritten grandios.

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