Sex im Aquarium

„Diesmal kamen die Architektengattin und ich fast gleichzeitig, sie schrie noch lauter als beim ersten Mal, aber als sie ihren Rock glatt streifte und wir aus der Küche zurück zu den anderen gingen, hatte keiner etwas bemerkt.“

Harald Schmidt: Tränen im Aquarium (1993). Kiepenheuer & Witsch, 1998.

Pointe vor Anstand. Nach diesem Credo handelt Harald Schmidt, Jahrgang 1957, seit er mit seinem ersten Soloprogramm den Bogen überspannte: „Ich hab‘ schon wieder überzogen“ hieß das Stück aus den tiefen achtziger Jahren. Der erste Satz seines ersten Buches kommt folgerichtig übertrieben dreist daher. Die Eröffnung wäre billig und schlüpfrig, würde er nicht Folgendes hinterherschicken:

„Dieser Satz hat nichts mit dem folgenden Kapitel zu tun, aber William Faulkner hat angeblich gefordert, der erste Satz eines Buches müsse so sein, daß der Leser gewzungen sei, weiter zu lesen.“

Wenn man so möchte, hat Schmidt gestartet, womit sich Tommy Jaud zehn Jahre später zum Millionär ulkte: den Siegeszug des Comedy-Buches. Und wie schreibt Herbert Feuerstein auf dem Buchrücken: „Ein Buch, das in keinem Haushalt fehlen darf, wo ein Tischbein zu kurz ist.“

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