Gibsons Fernblick

„Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal eingestellt ist.“

William Gibson: Neuromancer (1984). Heyne, 2000.

William Gibson, Jahrgang 1948, ist einer dieser Science-Fiction-Autoren, denen man das „Fiction“ wegredigieren sollte. Müsste! Denn allein das, was sich der US-Amerikaner in seinem Debütroman „Neuromancer“ herbeischrieb, war zuweilen alles andere als erfunden, wie sich freilich erst später herausstellte: Begriffe wie Cyberspace, Cyberpunks oder Matrix muss ihm einer aus der Zukunft geflüstert haben (Trinity? Morpheus!) Also geklaut? I wo, wohl eher eine Frühform des Future-Mashup! Einen bösen Schnitzer hat sich Gibson aber dennoch geleistet – und das ausgerechnet im ersten, zukunftsweisenden Satz. Dass nämlich ein „toter Kanal“ bald schon kaum mehr zu finden sein würde in der überbevölkerten Fernsehlandschaft, hätte er wissen müssen, der olle Futur-Fex.

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