Die Entdeckung des Mulisch

„Genau um Mitternacht sorgte ich für einen Kurzschluß.“

Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmels (1992), Rowohlt, 1995.

Harry Mulisch, 1927 bis 2010, war einer der ganz Genialen. Ein Streber unter den Schriftstellern, gewiss, aber hier regiert nur der Neid. Denn der Niederländer war und ist ein Geschichtenkonstrukteur zum Niederknien.Sein 2001 verfilmtes Hauptwerk ist eine herbeigeschriebene Naturgewalt. Umwerfend! Unerreicht! Unverschämt gut! Den Inhalt kurz zusammenzufassen, käme der Aufgabe gleich, die Bibel auf den Punkt zu bringen. Kruzifix, das geht nicht! „Die Entdeckung des Himmels“ handelt von einer Männerfreundschaft. Einem göttlichen Auftrag. Dem biblischen Bund. Es geht um die Gesellschaft, das Leben. Und mehr. Erzählebenen werden verschachtelt und um die Augen gehauen, dass einem ganz schwindlig wird. So ist der erste Satz – ein vielversprechendes, mehrdeutiges, gelungenes Exemplar – eigentlich gar nicht der erste Satz. Sondern der zweite erste Satz. Aber der erste Satz des Prologs ist zu kurz für eine Widmung. Er lautet: „Augenblick!“

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