Interview im BJV-Report

Hurra, die geschätzten Kollegen mögen Lieblingssaetze.de! Senta Krasser vom Magazin des Bayerischen Journalistenverbandes (BJV) hat mit dem Kurator Bernhard Blöchl vor kurzem ein langes Gespräch über die Schönheit von Sätzen geführt. Im gedruckten Interview ist nun zu lesen, was die ideale Texteröffnung ausmacht, welche Bedeutung der letzte Satz einer Geschichte hat, und warum Länge keine Rolle spielt. Zumindest nicht in der Literatur.

Weiterlesen

Lieblingsgäste (39): Sarah McHardy

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 39. Teil stellt Sarah McHardy ihre Favoriten vor – eine zeitlos unwiderstehliche, rätselhaft schöne Mischung, die Carlos Ruiz Zafón und die Doors vereint und die Wortschatzausdehnung des Universums streift. Ihren eigenen Roman würde die Literaturfreundin und Bloggerin mit dem verblüffenden Satzgiganten eröffnen: „Als am 14. März 1969 Josef Bachmann zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt wird, ist Frank Habel gerade ein paar Stunden alt und brüllt ungehindert die Säuglingsstation des St. Anna Hospitals in Herne nieder, während seine Mutter mit unerkannten wie schweren postnatalen Depressionen kämpft.“

Weiterlesen

Kein Wort zu viel, zu viel des Guten

„Mir geht es ein bisschen zu gut.“

Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank. Rowohlt, 2017.

Es tut zu gut, Ballast zu werfen. Kein Besitz, kein Gram, keine Theorien. Es tut zu gut, das Leben zu verdichten, es auf den Punkt zu bringen, nicht zu faseln. Zu gut, die Handlung eines Romans wegzumeißeln und an der Essenz zu feilen. An der Innenschau eines Mannes, der das Ende sieht und Musik wird. Kein Wort zu viel. Nur gedankengewordene Erfahrung. Es tut zu gut. Zu träumen genügt. Unfassbar sein wie die Wolke, die schwebt. Es tut zu gut, nur Sätze zu bauen, in denen es um alles geht. Sätze, die ein Kosmos sind. Der Makro- im Mikrokosmos. Es tut zu gut. Füllwörter ade. Servus, Ein- und Hinführung. Vergiss den Plot. Gedanken genügen. Unfassbar sein. Schweben. Und doch das Leben begreifen. Es tut zu gut. Ein zu guter, ein kluger, ein fordernder Roman. Eloquente Werbung für die Satzkunst oder: Das letzte Lächeln im Sonnenuntergangsleuchten.

Es wird doch wohl auf dem Papier etwas anderes passieren dürfen als in der Wirklichkeit.

Fühl dich so unwichtig, wie du bist. Wenn dir das gelingt, darfst du bersten vor Stolz.

Ich kenne keinen, den ich, wenn ich ihm sagte, es geht mir gut, nicht gegen mich einnähme.

Es ist schwer, sich einen Menschen, den man gut gekannt hat, tot vorzustellen, bloß weil er gestorben ist.

In eigener Sache: neuer Roman erschienen

Am Ende des Regenbogens beginnen die Probleme.
(erster Satz aus Bernhard Blöchl: Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint, Piper 2017)

Das Museum der schönen Sätze freut sich, vermelden zu dürfen, dass der zweite Roman seines Kurators Bernhard Blöchl soeben erschienen ist. Sein Name: Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint (Piper). Die frühsommerliche Roadnovel ist eine Tragikomödie über die verpassten Chancen des Lebens und seine wetterwendischen Launen. Eine verspielte Carpe-diem-Variation mit multiplen Enden. Eine Hymne auf Schottland, auf Wuppertal und nicht zuletzt: auf die große Liebe.

Er will nichts mehr vom Leben. Sie will alles. Knoppke sucht Einsamkeit. Sam sucht Gesellschaft. Trotzdem fahren sie gemeinsam in die Highlands. Dort finden sie vieles, nur nichts von dem, was sie erwartet haben … Weiterlesen