Lieblingsgäste (37): Richard Lorenz

Lieblingsgäste_RichardIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 37. Teil stellt Richard Lorenz seine Favoriten vor – eine eindringliche Mischung herrlicher Schattierungen, die Richard Brautigan, Bob Dylan und Thomas Bernhard vereint und auch eine eigene gewittrige Zeile enthält. Richard lebt als Schriftsteller in der Münchner Region, sein Debüt „Amerika Plakate“ ist ein furioses Stück Roman, eine melancholisch-schöne Hymne auf die Kraft der Phantasie. Der ehemalige Krankenpfleger hat ein Faible für das Morbide und Düstere, gleichzeitig für das Leben und die Empathie. Im August erscheint sein neues Werk „Frost, Erna Piaf und der Heilige“. Weiterlesen

Lieblingsgäste (36): Carola Wegerle

Lieblingsgäste_CarolaIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 36. Teil stellt Carola Wegerle ihre Favoriten vor – eine kuriose Mischung, die Cole Porter und Bernhard Blöchl, den Kurator des Museums der schönen Sätze, vereint. Die Wahl-Münchnerin ist Autorin, Schauspielerin, Sprecherin und Mentaltrainerin. Sie schreibt Drehbücher und Romane. Zuletzt sind von ihr die Kindergeschichte „Luisas Chance“ und der brisante Thriller „Die Irak-Mission“ erschienen. Sich selbst bezeichnet Carola Wegerle als „Theatertier“.

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Erste Sätze über erste Sätze

„Ich weiß, gerade auf den ersten Seiten, ja, mit den ersten Absätzen, eigentlich schon mit dem ersten Satz einer solchen ,klassischen‘ Erzählung erwartet der Leser zu Recht ganz besonders niveauvolle Literatur, gelungene Formulierungen, einen unvergesslichen Einstieg in den feinen, nicht gerade billigen ,sprachlichen Gourmet-Happen‘, wie Kritiker so was manchmal nennen.“

Joachim Lottmann: Hotel Sylvia. Haffmanns & Tolkemitt, 2016.

Der Lottmann nun wieder. Der turtelt ja gern mit den Erzählformen, schreibt hin, was ihm gerade durch den Kopf mäandert, egal, was knurrende Romantheoretiker und Textdiktatoren so von sich geben. Auf diese Weise hat der munter gereifte Popliteraturpionier bereits herrlich absurde, unkonventionell schöne Einstiege vorgelegt. In seiner Novelle „Hotel Sylvia“, einer für seine Verhältnisse doch recht aufgeräumten Erzählung, manche sagen: Alterswerk, wählt er einen ganz besonderen Kniff: Die hohen Erwartungen an einen ersten Satz wortästhetisch zu thematisieren, ergibt womöglich selbst einen brauchbaren ersten Satz, so der Grundgedanke. Weiterlesen

Die Reife von Romanfiguren

Irving

Aus: John Irving: „Straße der Wunder“, Diogenes Verlag 2016.

Apropos schluderig: Der erste Satz der deutschen Übersetzung von Irvings „Straße der Wunder“ ist aus einem speziellen Grund bemerkenswert. Nicht, weil er museumsreif schön wäre (vielmehr fällt er in die Kategorie „passt schon“). Sondern weil er – in der ersten Auflage zumindest – einen Sprachfehler enthält. Einen Patzer im ersten Satz, das gibt es auch nicht alle Tage.

Irvinganfang

Hier die Stellungnahme von Diogenes: „Lieber Bernhard, als große Irving-Fans tut der Satz uns selbst weh! Lektor, Korrektor, Setzer, tatsächlich haben alle die unvollständig ausgeführte Korrektur überlesen. Wir können nun leider nichts mehr anderes tun, als den Fehler für künftige Auflagen zu korrigieren.“

Über die Lesung von John Irving am 27. Mai 2016 im Münchner Residenztheater habe ich ein paar Zeilen in der SZ geschrieben.

Lieblingsgäste (35): Janine Wolf

Janine_WolfIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 35. Teil stellt Janine Wolf ihre Favoriten vor – eine junge, lebenshungrige Mischung, die Nicole Krauss und das Pop-Duo Boy vereint und Hymnen schmettert auf Benedict Wells und Wir sind Helden. Janine, die sich Jane nennt, betreibt als Bloggerin „Eine Apotheke gegen den Ernst“. Ihr eigener Roman soll „Ode an glitzernde Klackerschuhe“ heißen und mit den Worten beginnen: „Es sind nur sehr wenige Kinder hier. Die meisten Kinder in diesem Raum sind schon erwachsen.“ Sich selbst bezeichnet Jane als „Kämpferin für Authentizität und Schrulligkeit.“ Ihr Motto: „Embrace the beautiful mess that you are!“ Weiterlesen

Lieblingsgäste (34): Wibke Ladwig

Lieblingsgäste_LadwigIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 34. Teil stellt Wibke Ladwig ihre Favoriten vor – eine sinnlich-schöne Mischung, die Birgit Vanderbeke und Nick Cave vereint und ein Plädoyer in zwei Wörtern enthält. Der Twitter-Freak aus Köln bezeichnet sich als „Social Web Ranger“, im Netz bewegt sie sich mit Sinn und Verstand. Als Ideenkatalysatorin und Kreativitätscoach hilft sie Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von transmedialen Storytelling-Konzepten. Auch vom ersten Satz ihres entstehenden Romans hat sie bereits eine klare Vorstellung. Weiterlesen

Wann ist ein man ein Mann?

„An dem Abend, an dem drüben in Amerika die Challenger über Cape Canaveral explodiert, liegt man zum ersten Mal mit einem Mädchen im Bett.“

Thomas Glavinic: Wie man leben soll. dtv, 2004.

An dem Abend, an dem drüben in Sachsen-Anhalt der Prozentbalken der AfD explodiert, bekommt man zum ersten Mal ein Buch von Thomas Glavinic in die Hand. Ein Freund hat es einem empfohlen, und da man seit Jahren eine unbändige Lust an österreichischen Wortkünstlern verspürt, lässt man sich auf das Abenteuer ein. Abenteuer deshalb, weil der preisdekorierte Grazer in seinem gescheiten Coming-of-Age-Schelmenstück eine Erzählform wählt, für die Autoren in der Regel nur eines übrig haben: Nase rümpfen nämlich. Man kann es sich nicht vorstellen, wie der das durchhalten soll, immer nur von man zu schreiben. Man will es sich nicht vorstellen, doch schnell sieht man ein: Diese Manhaftigkeit in Anlehnung an orientierungsfördernde Lebensratgeber lässt man sich gerne gefallen. Und folgt Charly Kolostrum, diesem dicklichen Außenseiter mit Brille und Problemfamilie, durch sein junges, von Frauen und viel mehr Ahnungslosigkeit bestimmtes Daseinsexperiment.   Weiterlesen